Das SafeGuard MRSA VetMed-Net Projekt
Projektinhalt und Hintergrund
Menschen, Tiere und Erreger kennen keine Grenzen
Neben humanen Trägern sind in den vergangenen Jahren der veterinärmedizinische Bereich und die Landwirtschaft als neues Reservoir (z.B. Pferde, Schweine, Rinder) in das Blickfeld der MRSA-Epidemiologie gerückt. Insbesondere Daten aus den Niederlanden und der Landwirtschaftskammer NRW zeigen, dass in bis zu 60 % der untersuchten Betriebe, gesunde Schweine mit MRSA nachgewiesen werden konnten. Auf der anderen Seite sind bis zu 23 % der Landwirte und bis zu 10 % der untersuchten Tierärzte mit MRSA besiedelt, aber nicht an MRSA erkrankt. Dadurch ergeben sich jedoch neue Fragestellungen hinsichtlich der MRSA-Epidemiologie und Entwicklung von Präventionsstrategien zur Lösung der MRSA-Problematik bei Tier und Mensch. Wichtig sind hierbei insbesondere
- der rationale Einsatz von Antibiotika bei Tier und Mensch,
- angepasste Haltungsbedingungen,
- Schutzmaßnahmen zur Reduktion des Erregerkontaktes für den Menschen und
- der korrekte Umgang mit Trägern von la-MRSA in Gesundheitseinrichtungen.
Vor diesem Hintergrund ist auch die aktualisierte Screeningempfehlung des KRINKO-Kommission (Epidemiologisches Bulletin 42 / 2008) zu verstehen, die ein Sceening auf MRSA bei allen Personen empfiehlt, die (beruflichen) Kontakt zu Tieren der landwirtschaftlichen Tiermast haben.
Dass niederländische Mikrobiologen die Problematik von MRSA in der Landwirtschaft zuerst entdeckt haben und auf deutscher Seite seit Jahren die euregionale MRSA-Prävention beim Menschen intensiv im Rahmen des EUREGIO MRSA-net Twente/Münsterland gefördert wird, ist eine Kooperation über die Grenze hinweg ein direkter Mehrwert für Patienten, Verbraucher und Landwirtschaft. Aus diesem Grund arbeiten Human- und Veterinärmediziner aus dem Grenzgebiet der Niederlande, Nordrhein-Westfalens und Niedersachsens im Euregio-Projekt SafeGuard MRSA VetMed-net zusammen.
Finanziell werden die genannten Projekte von der Europäischen Union im Rahmen der Gemeinschaftsinitiativen Interreg-IVA aus Mitteln des europäischen Strukturfonds für regionale Entwicklung sowie durch die Länder Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und die Niederlande und niederländischen Provinzen Overijssel, Gelderland und Limburg unterstützt. Mittlerweile haben sich in vielen anderen Regionen Deutschlands aktive regionale MRE/MRSA-Netzwerke gebildet. Diese Aktivitäten werden auch durch die finanzielle Förderung durch das Bundesministerium für Gesundheit und vor allem durch die Erfahrungsaustausche der Moderatoren der regionalen Netzwerke zu MRSA/MRE am Robert-Koch-Institut unterstützt.

Euregionaler Mehrwert des Projektes
Aufgrund des grenzüberschreitenden Transports von Tieren und Lebensmitteln ist mit einer raschen Ausbreitung von MRSA innerhalb der Tierbestände zu rechnen. Dadurch ergeben sich neue Übertragungswege zur epidemischen Ausbreitung des Erregers auf beiden Seiten der Grenze, die bisher durch den limitierten Patientenaustausch über die Grenze kontrolliert wurde. Zusätzlich wird hierdurch die zoonotische Ausbreitung des Erregers zwischen Tier und Mensch möglich. Die potentielle und in der Allgemeinbevölkerung bekannte Gesundheitsgefährdung der Menschen durch Krankenhaus-assoziierte und community-acquired MRSA birgt zudem die Gefahr einer Stigmatisierung von Lebensmitteln tierischer Herkunft als Infektionsreservoir. Der Aufbau einer engmaschigen Kontrolle und Subtypisierung aller MRSA auf beiden Seiten der Grenze erlaubt die Unterscheidung von MRSA vornehmlich tierischer oder humaner Herkunft. Hiermit kann im Rahmen dieses Arbeitspaketes ein deutlicher Beitrag zur differenzierteren Sichtweise des epizoonotischen und epidemiologischen Geschehens geleistet werden. Hierdurch können auf beiden Seiten der Grenze der Verbraucherschutz deutlich gestärkt und Gefahren für unsere grenzüberschreitende Wirtschaftstätigkeit vermieden werden. Im Rahmen dieses Arbeitspaketes soll eine Zusammenarbeit zwischen Human- und Tiermedizinern über den gesamten Grenzverlauf zwischen den Niederlanden und Deutschland erfolgen.
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